Feb 122017
 

In diesem Lernbereich beschäftigen wir uns mit der Notwendigkeit, in einer multikulturellen Gesellschaft, die mit Einwanderung wird umgehen müssen, Ressentiments entgegenzuwirken, Fremdes als Herausforderndes und Bereicherndes zu erkennen und in pädagogischen Handlungsfeldern die Grundlagen für die notwendige Bewältigung dieser Zukunftsaufgabe zu schaffen.

Seit den 60er Jahren, als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, bis heute hat die Pädagogik mit z.T. unzureichenden und diskriminierenden Mitteln versucht, diese gesellschaftliche Aufgabe anzugehen.

Prof. Dr. Wolfgang Nieke ist ein wichtiger Verfechter für ein Umdenken in diesem Problemkreis. Er hat 10 Ziele für interkulturelle Erziehung und Bildung herausgearbeitet. Zitiert werden sie hier.

Prof. Dr. Alfred Holzbrecher ist ein Verfechter für eine prinzipielle, den gesamten Lehrplan durchdringende Interkulturalität.
Eine Zusammenstellung seiner Thesen befindet sich hier.

Ein Glossar zur Interkulturellen Pädagogik befindet sich hier.

 

Nov 122016
 

Hitler, Mein Kampf, 1937: „Der völkische Staat hat […] seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie […] einzustellen […] auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung geistiger Fähigkeiten.“

  1. Training der körperlichen Fähigkeiten
  2. Schulung des Geistes (weniger bedeutend) -> zur Entwicklung eines Charakters; Willenskraft wird gefördert
  3. Erziehung zur „Verantwortungsfreudigkeit“
  4. Wissenschaftliche Ausbildung

Merkmale der NS-Bildungspolitik
Hitler, Rede in Reichenberg, 1938: „Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben.“
Pädagogische Bestimmung des ganzen Lebens
„kollektive Ordnung des Lebenslaufs“
-> Keine eigenen Rechte und keinen eigenen Raum


Erziehung im Nationalsozialismus, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Pädagogik und Politik
Schule – Politik:
Ruhe und Ordnung
Unterrichtsbeginn mit Hitlergruß und nationalsozialistischem Wochenspruch statt Gebet
Jungen und Mädchen werden getrennt unterrichtet
Zähne putzen = Beitrag zur Volksgesundheit
Tugenden = Grundlage der Volksgemeinschaft
Pausen = Entspannung unter Aufsicht der Lehrer
Petzen wird gelobt
Jährliche Schuluntersuchung für alle

Fächer:
Lesen, Schreiben, Rechnen
Rassenlehre, Führerkult
Sport
Hauswirtschaft, Werken
Heimatkunde/Erdkunde, Naturkunde
Verkehrsunterricht
Geschichte

Unterrichtsinhalte:
Kampf-/Heimatdichtung, Heldischer Gedanke im Vordergrund
Wechselwirkung von Volk und Raum / Blut und Boden
Ehrfurcht vor dem Schöpfer, Bedeutung von Anlage, Auslese, Gegenauslese, Ausmerzung
Hausfrau= Verwalterin des Volksvermögens, Kochen und häusliche Arbeit
Politisches Geschehen
Wirtschaftliche und kulturelle Fragen
Vergegenwärtigung typischer Heldenbilder
Folgen des Versailler Vertrags
Heldentum= Verwurzelt im Blut der Ahnen
Gegen Überfremdung und Raumverengung
Bedeutung der Vergangenheit
Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung schließt an die Person des Führers an und gilt als sein Werk

Erziehungsziele / Hintergedanken:
Patriotismus
Staatstreue, Vaterlandsliebe
Volkstum
Opferbereitschaft
Feste Verwurzelung im Volk
Heimatverbundenheit, Liebe zur Natur
Identifikation

Kollektivismus,
Pflichtbewusstsein, Disziplin
Gemeinschaftsarbeit, Opferbereitschaft
Gemeinschaftsgefühl, volle Integration in die Volksgemeinschaft
Verantwortungsbereitschaft, Kameradschaft

Militarismus (vom lat. „militaris“ = „Krieg“; eine durch militärische Werte bestimmte Innen- und Außenpolitik.)
Werkunterricht, um Interesse an der Luftwaffe zu wecken
Einbezug der Tagespresse, um Kinder mit Hitlers Politik vertraut zu machen
Gehorsam, Ritterliches Verhalten
Entwicklung des Bewegungs-, Spiel- und Kampftriebes durch Sport
Wehrfähigkeit, Wehrwillen wecken und Stärken

Führerkult
Unterordnung
Stolz / Bewunderung
Opferbereitschaft

Rassebewusstsein
Gefahr der Rassenmischung wird anhand biologischer Beispiele verdeutlicht
Bücher enthalten rassistische Äußerungen/Aufgaben
Besondere Leistung der nordischen Rasse erkennen
Leib und Seele als Träger des Rassenerbe
Wesensverschiedenheit der Rassen erkennen

Imperialismus (vom lat. imperium = „Reich“; Absicht eines Staates seinen Wirkungsbereich/Einfluss auf politischer, kultureller, wirtschaftlicher, militärischer und geographischer Ebene weltweit zu vergrößern.)
Deutschland soll unabhängig von ausländischen Produkten werden
Beherrschung des Raums durch die Menschen => Anspruch auf kolonialen Raum
Schaffung und Sicherung Großdeutschlands

Untergeordnete Rolle der Frau
Vermittlung der Geschlechterrollen durch Arbeitsteilung
Aufgabe: Pflege und Betreuung der Familie und des Heims
Vorbild: gesunde, kraftvolle, selbstsichere Frau
Frau bildet Gegengewicht, um Einzelgängertum der Männer vorzubeugen

Sonstige Ziele
Sparsamkeit (Geld, Lebensmittel)
Lebenskundliches Denken und Handeln
Schadensverhütung


Hitlerjugend

Geschichte
3./4. Juli 1926: Gründung der HJ beim zweiten Reichsparteitag in Weimar
30.10.1931: Baldur von Schirach wird Reichsjugendführer (später Jugendführer des deutschen Reichs)
Kurzzeitiges Verbot von SS, SA und HJ durch Notverordnungen
1.12.1936: HJ erhält staatl. Erziehungsauftrag außerhalb von Schule und Elternhaus („Reichsgesetz über die Hitlerjugend“)
1936: Alle Jugendlichen sollen in der HJ erfasst werden

Fakten
Zusammenschluss aller Stände und Konfessionen
„Jugend soll durch Jugend geführt werden“

Aufbau/Struktur
Unterteilung in „Pimpfe“ (10-14 Jahre) und „Hitlerjugend“ (14-18 Jahre)
Gebiets-/Bannführer

Aufgaben/Ziele
Methodische Schulung
Kriegsvorbereitung
Einheitliche Erziehung für das Reich

Bund deutscher Mädel

Geschichte
1930: Zusammenschluss der bestehenden „Mädchenschaften“ zum „Bund deutscher Mädel“
Weiblicher Zweig der HJ

Fakten
Zahlenmäßig größte weibliche Jugendorganisation

Aufbau/Struktur
Unterteilung in „Jungmädelbund“ (10-14 Jahre) und „Bund deutscher Mädel“ (14-18 Jahre)
Unter der Reichsjugendführung

Aufgaben/Ziele
Vorbereitung zum Einsatz als Lazarett-/Luftschutz- oder Landhelfer
Vorbereitung auf die Hausfrauen- und Mutterrrolle
Körperliche Ertüchtigung
Guter Geschmack, Fortführung der Sitten

Reichsjugendführer: 1931-1940: Baldur von Schirach, 1940-1946: Artur Axmann

Gut illustrierte und sortierte Informationen zum Nationalsozialismus (und anderen geschichtlichen Fakten und Hintergründen) finden Sie hier:

Das NS-Regime

Kindheit unter Hitler

Alltag in der NS-Zeit 1933-1945

Jugend 1918-45

http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39551/wirtschaft-und-gesellschaft?p=all

Erziehung im Nationalsozialismus

Mai 032015
 

Zum Pädagogik-Unterrichtsstoff der Klasse 12/13 gehört die Auseinandersetzung mit der Theorie der moralischen Entwicklung. Wichtige Vertreter sind hier Piaget und Kohlberg neben Durkheim und Freud. Die folgenden Links enthalten eine Übersicht in Präsentationsform sowie eine Hausarbeit von Erstsemesterstudenten, die inhaltlich umfassend ist und gleichzeitig eine gute Orientierung für wissenschaftliches Arbeiten und das Anfertigen z.B. einer  Facharbeit bietet.

http://www.psy.lmu.de/epp/studium_lehre/lehrmaterialien/lehrmaterial_ss10/sose_2010/einf_sodian2010/bsc_ss10_09.pdf

http://www.gregor-betz.de/moralerziehung.pdf

Sehr ausführliche Angaben finden sich bei:

entwicklungverlauf

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MORALISCHEENTWICKLUNG/KohlbergPiagetVergleich.shtml

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MORALISCHEENTWICKLUNG/KohlbergStufen.shtml

Kleiner Test:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MORALISCHEENTWICKLUNG/KOHLBERGQUIZ/default.shtml

Mrz 172015
 

Zum Pflicht-Stoff für das Abitur 2016 gehört die Auseinandersetzung mit den PISA-Studien der letzten Jahre und in diesem Zusammenhang eine Reflektion über Bildung und Begabung, die Aufgaben von Schule und ihre jeweilige Umsetzung in konkrete Organisationsformen mit ihren politischen Implikationen.

Folgende Links bieten vertiefende Informationen:

OECD-2012

pisa-konsequenzen-fuer-bildung-und-schule?p=all

Mildner_Hochweber_Frey_Vergleichende_Analysen_der_Kompetenzen_von_Fuenfzehnjaehrigen.pdf

Bischof_et_al_Schulentwicklung_im_Verlauf_eines_Jahrzehnts.pdf

 

Feb 052015
 

Individualisierung ist das Kennzeichen moderner gesellschaftlicher Entwicklung und hat dementsprechend einen hohen Stellenwert. Individualisierung bedeutet, sich aus den vorgegebenen Fixierungen zu lösen (unter anderem von den Eltern lösen) und eine eigene Biographie zu schaffen und somit zum eigenen Gestalter zu werden. Ermöglicht wird dies durch den immer größer werdenden Markt in allen Bereichen, wie Konsumgüter, Medien, verschiedenen Lebensstilen (die eine pluralistische Gesellschaft mit verschiedenen kulturellen Normen und Werten ausmacht) und Berufsauswahl. Diese kann man auch als „Motoren“ für Individualisierung sehen. All dies bietet mehr Entscheidungsräume für den Jugendlichen, doch diese Freiheit bringt auch Entscheidungszwänge mit sich und Entscheidungsdruck entsteht, welchen jeder individuell bewältigen muss. Doch mit dieser Ambivalenz können nicht alle umgehen und daraus können Desintegrationspotenziale entstehen.

Es gibt drei Desintegrationsformen. Die erste ist die Desintegration durch die Instabilität in der Familie, welche nochmal in verschiedene Formen unterteilt werden kann. Rapide Veränderung der Familienkonstellation, wie die Abwesenheit eines Elternteils (z.B. Scheidung). Dadurch entstehen Bindungsängste und die Kinder tragen automatische mehr Verantwortung, da die Rolle des fehlenden Elternteils übernommen wird. Emotionale Desintegration entsteht durch Gewalt in der Familie oder äußere Intaktheit. Das Individuum wird eventuell nicht als „Mensch“ angesehen und das Grundbedürfnis nach Liebe wird nicht erfüllt, so dass inkonsistentes Verhalten der Eltern untereinander oder dem Kind gegenüber entsteht. Dadurch fällt es schwer Normen und Werte zu internalisieren, da sie inkonsequent vermittelt werden. Oder wenn Eltern zu viel arbeiten und die Interaktion mit dem Kind nur in kurzen Intervallen stattfindet, kann es dazu kommen, dass sich das Kind einsam und alleine fühlt.
Die zweite Desintegrationsform laut Heitmeyer ist, die Auflösung der Normen und Werte. Traditionelle Vorgaben an sozialen Strukturen fallen weg. Das Individuum weiß nicht, wie er sich in der Gesellschaft zu verhalten hat. Allgemeine Verunsicherung ist das Resultat.
Und die dritte Form ist die Desintegration durch mangelnde Teilnahme an gesellschaftlichen Institutionen. Der Jugendliche hat z.B. Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu bekommen (berufliche Desintegration).
All diese genannten Faktoren können zu einer Verunsicherung führen. Obwohl angenommen wird, dass die Ambivalenzen im Hinblick auf den Individualisierungsprozess durch Anpassungsmöglichkeiten ausgeglichen werden kann, zählt sie trotzdem als Hauptursache der Verunsicherung. Die Kennzeichen der Verunsicherung sind zum einen die emotionale Komponente (Zukunftsangst und Unsicherheitsgefühle) und zum anderen die Handlungsunsicherheit (Orientierungs-, Entscheidungsprobleme). Für Verunsicherung gibt es eine Vielzahl von Auslösern: Unlösbarkeit (wenn man nicht mehr weiter weiß), Unberechenbarkeit der eigenen Zukunft, Unklarheit über den eigenen Status, Versagen bzw. Nichterreichen von Zielen, Fehlen von stimmigen Erklärungen (z.B. für Ausgrenzung) etc.
Diese Verunsicherung kann entweder zu einer simulierenden Verunsicherung (konstruktiver Umgang mit dem Problem) oder zu einer paralysierenden Verunsicherung (Lähmungs-Zustand), aber auch zu Gewalt führen.
Bei Gewalt als mögliche Form für Verunsicherung wird unterschieden zwischen expressiver, instrumenteller und regressiver Gewalt. Expressive Gewalt wird ausgeübt um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und seine Einzigartigkeit zu unterstreichen. Die Opfer sind beliebig und zweitrangig, die handelnde Person steht im Vordergrund. Bei der instrumentellen Gewalt versucht das Individuum mit Gewalt seine Probleme zu lösen und seine Position zu sichern. Diese Gewalt ist geplant und zielt auf bestimmte Reaktionen ab. Die regressive Gewalt basiert auf politischen Motiven und richtet sich gegen Minderheiten. Zusammengefasst: Aggression ist ein Versuch der Kompensation sozialer Desintegration und persönlicher Perspektivlosigkeit.
Quelle: Samet’s Blog